Frauen in Führungspositionen gehören in Deutschland der Minderheit an
Diskussionsforum an der FH Mainz: „Frauen in Führung – Frauenförderung“
Führen Frauen anders? „Ja“, bekräftigt Kerstin Plehwe. „Nicht besser, nicht schlechter. Nur einfach anders“, ergänzt die Autorin des Buches „Female Leadership – Die Macht der Frauen“. Was macht Menschen erfolgreich? Welche Fähigkeiten haben Frauen, die ganz nach oben gekommen sind? Wie denken Top-Managerinnen, Spitzenpolitikerinnen, Nobelpreisträgerinnen, Olympiasportlerinnen und Unternehmerinnen über die wichtigen Fragen des Lebens? Diesen und ähnlichen Fragen ging Kerstin Plehwe in ihrem Buch auf den Grund. Ihre Erkenntnisse stellte sie in der Veranstaltung „Frauen in Führung – Frauenförderung“, die von Prof. Dr. Susanne Rank, Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs Wirtschaft der FH Mainz, und Silke Eichten, Projektleiterin des SHE! Projektes der HWK Rheinhessen organisiert wurde, vor.
Gut 160 Zuhörerinnen, darunter nur fünf Männer, lauschten gespannt dem Vortrag von Kerstin Plehwe an der FH Mainz. Die Autorin interviewte mehr als 60 Frauen aus über 30 Ländern. Sieben Leadership-Qualitäten zog sie aus ihren Recherchen heraus: Selbstvertrauen, Vision, Mut und Fairness, Integrität, Durchhaltevermögen, Dialogkompetenz und Aktivität. Zu jeder Schlüsselqualifikation führte Plehwe eine Frau und deren Werdegang als Beispiel auf. Der Rat der Autorin: „Kompetenz allein reicht nicht. Fordern Sie! Es liegt an jeder selbst!“ Dabei soll die Frau sich selbst treu bleiben und sich nicht verbiegen lassen. „Wenn Sie emotional werden müssen, dann seien Sie es“, so Plehwe weiter. Authentizität ist hier Trumpf.
In der drauf folgenden Gesprächsrunde diskutierten Managerinnen aus Wirtschaft und Politik über den Führungsstil von Frauen. Auch wenn in der Politik immer mehr Frauen hohe politische Ämter erlangen, befinden sich in den Chefetagen der privaten Wirtschaft vor allem Männer. Die Gründe hierfür liegen in unserem Gesellschaftssystem oder auch im „männlichen“ Führungsstil; darüber waren sich neben Kerstin Plehwe, Gudrun Thomas-Wolf vom Wirtschaftsministerium, Roswitha Augel vom Arbeitsministerium, Kerstin Pramberger von der Deutschen Bank, Jutta Wolf von der Commerzbank und Lidia Stein vom Mittelrhein-Verlag einig. „Männer in höheren Führungsebenen gehören einem gewissen Führungsstil an“, erklärt Lidia Stein, Leiterin der Unternehmensentwicklung beim Mittelrhein-Verlag. „Aus Gewohnheit wird ein Nachfolger aus eigenen Reihen ausgewählt, der sich dem alten Führungsstil anschließt“, so Stein weiter. Roswitha Augel aus dem rheinland-pfälzischen Arbeitsministerium fordert Frauen auf „aufzustehen und einzufordern“ wie die männlichen Kollegen. Jeder, egal ob Frau oder Mann, sollte seinen eigenen Weg gehen können, sagte Kerstin Plehwe zum Abschluss.

